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Zweifel an Chinas Wirtschaftszahlen

Zweifel an Chinas Wirtschaftszahlen

Die chinesische Regierung meldete für 2024 ein Wirtschaftswachstum von 5 Prozent, was dem Ziel des Nationalen Volkskongresses entspricht. Laut offiziellen Angaben wurde dies vor allem durch Konjunkturmaßnahmen im Schlussquartal und starke Exporte erreicht. Experten wie die Ökonomen der Rhodium Group schätzen das tatsächliche Wachstum für 2024 jedoch nur auf 2,4 bis 2,8 Prozent.

Die Forscher hinterfragen die Notwendigkeit umfangreicher Stimulusmaßnahmen, wenn die Wirtschaft tatsächlich wie berichtet wächst. Die Regierung senkte die Zinsen, erhöhte die Staatsausgaben und startete ein großes Programm zur Refinanzierung der Schulden lokaler Regierungen – Maßnahmen, die eher auf tiefergehende wirtschaftliche Probleme hindeuten.

Weitere Zweifel ergeben sich aus Diskrepanzen in den Daten. Während ein Anstieg der Investitionen gemeldet wird, sank die Zement- und Asphaltproduktion deutlich, und der Dieselverbrauch brach stark ein. Zudem bleibt der Immobilienmarkt in der Krise, mit einem Rückgang der Investitionen um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Lokale Regierungen, die hoch verschuldet sind, verfügen kaum über finanzielle Mittel für Investitionen.

Auch der private Konsum zeigt Schwächen. Die Inflation blieb extrem niedrig, die Umsätze im E-Commerce stagnierten, und das Verbrauchervertrauen erreichte ein Rekordtief. Deutsche Unternehmen in China bewerten die wirtschaftliche Lage zunehmend kritisch und korrigierten ihre Erwartungen für 2024 nach unten.

Für 2025 strebt China erneut ein Wachstum von 5 Prozent an, doch Experten halten dieses Ziel für unrealistisch. Analysten prognostizieren ein Wachstum von 3 bis 4,5 Prozent, gestützt durch staatliche Maßnahmen. Der anhaltende Abschwung auf dem Immobilienmarkt und mögliche Handelszölle der USA könnten die Wirtschaft zusätzlich belasten und weitere Maßnahmen erforderlich machen.

Quelle: NZZ